WOLFSKRIEG von Bernard Cornwell

Wyrd bid ful araed. Das Schicksal ist unausweichlich. Diese kurze Lebensweisheit ist das Mantra des legendären Uthred von Bebanburg, des erfolgreichsten fiktiven Helden aus der Feder Bernard Cornwells. Jetzt erschien mit „Wolfskrieg“ das neueste und lang ersehnte Abenteuer des sächsischen Recken mit dänischem Herzen, welches wir kurz vorstellen wollen.

Ein Hilferuf aus dem fernen Mercien erreicht den gealterten Uthred, der im letzten Roman seine Heimatburg endlich zurück erobern konnte und sich inzwischen mehr mit den friedlichen und alltäglichen Aufgaben eines Landesherren beschäftigen muss. Alte Treueschwüre reißen ihn aus seinem Vorruhestand und so begibt er sich ein letztes Mal in den verhassten und von den Christen beherrschten Süden Englands, um seinen Freunden wie so oft zuvor Hilfe zu leisten. Im Süden angekommen, erfährt er, dass es den vermeintlichen Hilferuf gar nicht gab und er auf eine Kriegslust hereingefallen ist. Während er sich durch das halbe England schlug, fiel in seiner Abwesenheit ein gefürchteter Nordmann namens Sköll Grimmarson in seine Länder ein und nahm ihm das Liebste, was ihm in seinem kriegerischen und von Verlusten gekennzeichneten Leben geblieben war. Uthred vergeht fast vor Schmerz, aber er erkennt, dass er diesem Gegner nur kühl und überlegt gegenüber treten darf, wenn er erfolgreich Rache nehmen will. Wird Uthred seine Trauer samt seiner Wut zügeln und auch diesmal schlussendlich obsiegen?

Was sollte nach der Rückeroberung seiner Heimatburg noch für Uthred kommen? Trotz aller Vorfreude war man vor der Lektüre skeptisch, ob auch dieser Roman das hohe Niveau seiner Vorgänger halten kann. Nach der Lektüre lässt sich ganz klar sagen, dass es ihm spielend gelingt. Dieser Roman lebt nicht vom Antagonismus zwischen Uthred und Alfred oder dessen Kindern, die ja oft die Würze waren. Er lebt von einem alternden Helden, der dies erkennt und intensiv über sein Leben reflektiert, während er seinen physischen Niedergang wahrnimmt und den gesellschaftlichen Wandel skeptisch beziehungsweise ungläubig gegenübertritt. Uthred muss bitter feststellen, dass er nicht mehr spielerisch alle Hindernisse überwindet. Er sieht jüngere Männer, die ihm inzwischen physisch und kämpferisch überlegen sind. Nicht wenige erinnern ihn an sich selbst in jungen Jahren. Uthred selbst verlässt sich zunehmend auf seinen Verstand, wobei ihm auch dieser immer mal wieder Streiche spielt und nicht jede seiner Entscheidungen so brilliant wie in der Vergangenheit ist. Mit Widerwillen nimmt er wahr, dass der Vormarsch des Christentums unaufhaltsam scheint und sich der absolute Anspruch des Christengottes, der keine andere Götter neben sich akzeptiert, durchsetzt, während das nordische Pantheon immer mehr an Bedeutung verliert. Man kann die Bitterkeit und das Unverständnis Uthreds darüber förmlich spüren. In diesem Zusammenhang ist auch der Gegenspieler Sköll Grimmarson zu sehen, der über ein Herr von Berserkern und sogar einen Zauberer verfügt und ganz klar den alten nordischen Weg mit all seinen Grausamkeiten und Härten repräsentiert. Allerdings spiegelt er auch die Tatsache wider, dass es einem Mann zu jener Zeit um Land, Reichtum, Ehre und Ruf ging. All das konnte er nur mit ausreichend Gefolgsleuten erreichen. Ohne eine gewisse Kaltschnäuzigkeit konnte er seine Männer nicht führen und diese Ziele nicht erreichen. Auch die Notwendigkeit dieser brutalen Führungsphilosophie wird ganz wunderbar herausgearbeitet und steht im krassen Gegensatz zur sich im Roman ausbreitenden christlichen Lehre, die Gnade und Milde postuliert, solange es nicht gegen dämonische Heiden geht. Und zu guter Letzt ist es einfach spannend zu sehen, wie Uthred verzweifelt versucht, die Herrschaft seines Schwiegersohnes als letzter freier nordischer König in England zu sichern, obwohl er weiß, dass es langfristig vergebliche Liebesmühe ist.

Der Schreibstil Cornwells ist wie immer wuchtig und sehr detailliert. Er entwirft ein allumfassendes Panorama des frühmittelalterlichen Englands in all seiner Schönheit und Düsternis. Die historischen und gesellschaftlichen Konflikte jener Zeit werden hervorragend herausgearbeitet. Die Lektüre ist wie immer spannend und temporeich. Der Roman „Wolfskrieg“ kann somit wie bisher jeder Band der Uthred- Reihe auf das Wärmste empfohlen werden.

 

Erhältlich als Taschenbuch, Hörbuch und e-book

Erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag

Veröffentlicht am 16. April 2019

ISBN: 978-3499276521

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